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Interview bei der Kirchengemeinde Freistatt

Dirk Dymarski und Roderich Pohl waren diesen Sommer zu Besuch bei Freistatts Pastorin Gunda Hansen zum Interview für das Freistätter Gemeindeblatt, das wir hier gerne auch veröffentlichen:

Interview mit Dirk Dymarski und Roderich Pohl

Fragen von Pastorin Hansen

Beide arbeiten für die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen e. V. und waren in dieser Angelegenheit auf dem Kirchentag in Nürnberg. In der Messehalle 5 hatten sie einen Stand aufgebaut und mit Gespräch und Flyern auf die Bedürfnislage von Menschen ohne Obdach aufmerksam gemacht. Ich war auch auf dem Kirchentag und habe sie dort gleich am ersten Tag, dem 8. Juni 2023, besucht.

Dirk Dymarski kannte ich; er lebt in Freistatt und ist in unserer Kirchengemeinde im Kirchenvorstand. Roderich Pohl kannte ich nicht. Er lebt in Berlin, ist aber etwa viermal im Jahr in Freistatt zu sehen, weil hier Treffen der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen e. V. stattfinden. Freistatt ist dafür ein besonderer Anlaufpunkt, weil die von Bodelschwinghschen Stiftungen die Eigeninitiative wohnungsloser oder ehemals wohnungsloser Menschen mit finanzieller Unterstützung angeschoben haben.

Ich kam also am Stand in der Messehalle 5 an. Er war auffällig groß und ansprechend zurechtgemacht. Von dem 8-köpfigen Team, das ihn betreute, waren die meisten vor Ort und begrüßten mich herzlich. Auch Marcus Rudolph war dabei, der in Freistatt „Radio-Marcus“ genannt wird.

Wieder zu Hause bat ich Dirk Dymarski und Roderich Pohl um ein Interview.

Was hatten sie erlebt?

Lieber Dirk, lieber Roderich, wir haben uns ja auf dem Kirchentag in Nürnberg getroffen, am Stand der Selbstvertretung der Wohnungslosen.

Wie ist es denn gelaufen?

Dirk: Gut, hat sich voll gelohnt. Wir waren von Donnerstag bis Samstag am Stand, mit einem Team von 8 Leuten … aus ganz Deutschland. Wir kennen uns aber alle. Die Zusammenarbeit hat gut funktioniert. Von den Kirchentagsbesucher*innen sind viele bei uns vorbeigekommen, weil unser Stand günstig platziert war. Da hatten wir Glück! Ziemlich anstrengend war es von der Akustik her, ziemlich schallig. Wir haben fleißig unser neues Positionspapier verteilt und in-formiert. Einige wenige Leute konnten sich sofort durchringen, bei unserem Verein Fördermitglied zu werden. Vielleicht kommen noch einige im Nachgang dazu.

Bin ich eigentlich schon Fördermitglied bei euch? Ich glaube nicht!

Dirk: Nee, aber du kannst es gerne werden! Wir sammeln noch nicht so lange Fördermitglieder. Unseren e.V. gibt es ja auch erst seit 2019. Und Mitglieder sammeln wir erst seit letztem Jahr.

Wofür braucht ihr das Geld hauptsächlich?

Dirk: Geld brauchen wir für unsere Treffen, für Spesen und Fahrtkosten, Telefon und Druckmaterial für unsere Flyer. Bisher wurden wir von „Aktion Mensch“ finanziert. Hinter „Aktion Mensch“ stecken mehrere große Hilfswerke, unter anderem Bethel. Aber bei „Aktion Mensch“ stehen wir zukünftig nicht mehr auf dem Plan. Bethel bedauert das, kann es aber nicht verhindern. Sie sind ja nur ein Player von vielen. Das heißt für uns, wir suchen gerade neue Sponsoren. Aktuell läuft ein Antrag beim Deutschen Hilfswerk e. V., wo die Fernsehlotterie mit drin-steckt, aber der Antrag ist noch nicht bewilligt. Am liebsten wären wir aber völlig unabhängig. Das geht vor allem dann, wenn wir genug Fördermitglieder haben.

Roderich: Wir sammeln auch Spenden. Auf dem Kirchentag waren am Ende 350,- Euro in unserer Spendenbox. Gar nicht schlecht! Und bei einem Gewinnspiel haben wir dann noch mal 100,- Euro dazu gewonnen!!

Ein Gewinnspiel? Das klingt spannend.

Wie ist es denn dazu gekommen?

Roderich: Gegenüber von unserem Stand war ein Stand von einer Gemeindebriet-druckerei. Die haben ein Preisausschreiben gemacht. Sie hatten die Idee, Projekte mit Geld zu unterstützen, ohne selber vorzu-geben, welche das sind. Das sollten die Leute selber sagen dürfen. Das heißt, man konnte mitmachen unter der Voraussetzung, dass man ein Spendenprojekt angab. Ja, und dann haben sie mich gezogen, leider nicht für den Hauptgewinn, der wäre 1.000 € gewesen.

SwM e.V. - Roderich Pohl beim Kirchentag Nürnberg 2023
SwM e.V. – Roderich Pohl beim Kirchentag Nürnberg 2023

Dirk: Olaf, einer von unserem Stand, hatte als Erster die Zettel zum Preisausschreiben entdeckt und gab nicht eher Ruhe, bis wir alle teilgenommen haben.

Unsere Verabredung war, wenn einer von uns gewinnt, geben wir das Preisgeld der Selbstvertretung Wohnungsloser in Freistatt. Dann wurde Roderich Pohl ge-zogen, leider nur für 100 Euro. Aber egal, wir freuen uns!

Roderich: Man bedenke: Zu den 100 € werden noch 400 € dazukommen! Wir haben nämlich das Privileg, wenn wir für ein Projekt 20 % Eigenanteil aufbringen, dass wir dann 80% dazu bezahlt bekommen. Also sind meine 100 €, die ich gewonnen habe, de facto 500 € wert!

Klasse! Habt ihr sonst schon mal ein Preisausschreiben gewonnen?

Dirk: Ich ja, gleich mehrere. Sachgewinne und kleine Reisen! Eine Reise ging zum Eishockey-Spiel nach Helsinki, eine andere zur Fußball-WM nach München, das war das Eröffnungsspiel 2006, Deutschland gegen Costa Rica.

Was habt ihr noch vom Kirchentag in Nürnberg mitbekommen?

Dirk: Leider gar nichts, weder von der Innenstadt, noch von den Veranstaltungen auf dem Messegelände. Ich habe mich einfach sehr verantwortlich gefühlt für unseren Stand! Andere haben sich eher mal abgewechselt.

Roderich: Ich habe eine Gehbehinderung. Da war ich froh, dass ich überhaupt den Weg zu unserem Stand geschafft habe. Aber dabei bin ich an vielen anderen Ständen vorbeigekommen. Das war interessant! Ich habe festgestellt, dass bei vielen der gleiche Grundgedanke ist, nämlich Menschen zu mobilisieren zur gegenseitigen Hilfe. Wenn das gelingt, verstärkt sich die Hoffnung, dass sich etwas in der Welt ändert.

Seid ihr beim nächsten Kirchentag wieder dabei?

Dirk: Sofern wir dürfen und alles auf die Beine kriegen, ja! Dann würde ich einiges anders machen, zum Beispiel mehr Interview-Runden mit Leuten aus Politik und Wirtschaft. „Radio-Marcus“ hat das dieses Mal schon prima gemacht: Jemand von uns hatte den Landesbischof von Bayern, Bedford-Strohm, aufgespürt und zu unserem Stand gelotst. Marcus hat dann in seiner lockeren Art gesagt: „Ich weiß ja nicht, wer Du bist, kannste dich mal vorstellen?“ Daraus wurde das geilste Interview überhaupt. Bedford-Strohm hat aber auch eine Ausstrahlung … das ist Wow!!

Wie Du und ich

SwM e.V. - Heinrich Bedford-Strohm, Dirk Dymarski und Roderich Pohl beim Kirchentag Nürnberg 2023
SwM e.V. – Heinrich Bedford-Strohm, Dirk Dymarski und Roderich Pohl beim Kirchentag Nürnberg 2023

Wer mehr über den Verein (also über die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen e. V.) und seine Ziele erfahren möchte, besuche die Webseite:

https://wohnungslosentreffen.org/

… oder die Geschäftsstelle in der Deckertstraße 20 in Freistatt.

Gunda Hansen

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